Medikamente gegen Abstossungsreaktionen

 

Medikamente gegen Abstossungsreaktionen (auch Immunsuppressiva genannt) schützen die Leber vor einer Abstossung, indem sie die Immunreaktion Ihres Kindes abschwächen. Die am häufigsten verwendeten Medikamente gegen Abstossung sind Prograf® (Tacrolimus, FK506), Prednison® und Prednisolon® (ein vom Kortison abgeleitetes Steroid) und Cellcept® (Mycophenolat mofetil). Andere Medikamente wie Certican® (Everolimus), Sandimmun Neoral® (Ciclosporin) und Rapamune® (Sirolimus) werden seltener verwendet. Nach heutigem Erkenntnisstand gehen wir davon aus, dass Ihr Kind eines oder mehrere dieser Medikamente gegen Abstossung sein Leben lang nehmen muss. Bei jedem dieser Medikamente kann es zu bestimmten Nebenwirkungen kommen. Immunsuppressiva sind immer mit einem erhöhten Infektionsrisiko und einer erhöhten Krebsrate verbunden. Die häufigsten und die schwersten Nebenwirkungen sind im Folgenden aufgeführt.

 

PROGRAF® (TACROLIMUS, FK 506)

Nebenwirkungen von Prograf® sind insbesondere:

  • Zittern
  • Diabetes Mellitus
  • Bluthochdruck
  • Verdauungsstörungen, Durchfall
  • Hyperkalämie – (erhöhter Kaliumgehalt im Blut)
  • Hypermagnesiämie – (Erhöhter Magnesiumgehalt im Blut)
  • Sonnenempfindlichkeit
  • Einschränkung der Nierenfunktion

Ihr Kind nimmt Prograf® oder ein anderes Immunsuppressivum. Es gibt es als Sirup oder als Kapseln und wird zweimal täglich eingenommen. Je nach Alter und Eigenständigkeit wird Ihnen das eine oder andere Präparat vorgeschlagen.

Die Retard-Form von Tacrolimus, Advagraf®, welche einmal täglich eingenommen wird und nur als Kapsel existiert, wird in zeitlichem Abstand zur Transplantation vorgeschlagen.

Bei der Einnahme dieses Medikamentes sollte folgendes beachtet werden:

Eine Stunde vor der Einnahme darf nichts gegessen werden und nach der Einnahme sollte eine halbe Stunde abgewartet werden bevor wieder etwas gegessen wird. Das Trinken von Wasser ist während dieser Zeit jedoch erlaubt. Im Zeitraum eine Stunde vor der Prograf®-Einnahme bis eine halbe Stunde danach sollten keine anderen Medikamente eingenommen werden. Nahrung und andere Medikamente reduzieren die Absorption von Prograf®. Es muss zu festen Zeiten verabreicht werden, um Schwankungen seines Spiegels im Blut zu vermeiden und damit Nebenwirkungen abzumildern.

Wechseln Sie die Einnahmezeit von Tacrolimus, indem Sie sich einfach an die neuen Zeiten anpassen, und zwar ohne progressiven Übergang. Dies gilt unabhängig vom Abstand zwischen der alten und der neuen Einnahmezeit.

Zum Beispiel:

Bei der Zeitumstellung geben Sie Ihrem Kind das Medikament zur neuen Uhrzeit.

08:00 Winterzeit      ->           08:00 Sommerzeit

Reisen zwischen Zeitzonen

08:00 Genfer Zeit    ->           08:00 New Yorker Zeit

 

Wenn Ihr Kind dieses Medikament nimmt, muss es alle Produkte auf der Basis der Pampelmuse meiden, da sie Wechselwirkungen mit dem Stoffwechsel des Tacrolimus hervorrufen. Pampelmusensaft kann den Tacrolimus-Spiegel im Blut markant erhöhen. Wenn Ihr Kind versehentlich eine Pampelmuse isst oder Pampelmusensaft trinkt, informieren Sie bitte sofort das Transplantationsteam. Zudem muss Ihr Kind direkte Sonneneinstrahlung meiden, indem ein Sonnenschutzprodukt aufgetragen wird oder indem es so gekleidet wird, dass seine Haut vollständig bedeckt ist. Das Blutbild Ihres Kindes wird sehr genau beobachtet, solange es dieses Medikament nimmt. Es muss auch unbedingt dazu angeregt werden, mehr zu trinken, um Schädigungen der Nieren zu vermeiden.

Aufgrund der toxischen Wirkung von Prograf® auf die Nieren, muss Ihr Kind bei den Kontrolluntersuchungen Urinproben abgeben.

Mehrere Medikamente interagieren mit dem Stoffwechsel von Tacrolimus, so dass wir Ihnen empfehlen, mit Personen, die Ihrem Kind eine Behandlung verschreiben, immer hierüber zu sprechen.

Die Liste der Medikamentenwechselwirkungen.

 

PREDNISON®

Prednison ist ein vom Kortison abgeleitetes Steroid. Zu seinen Nebenwirkungen gehören insbesondere:

  • Verdauungsstörungen
  • Bauchschmerzen
  • Stimmungswechsel
  • Gewichtszunahme
  • Knochenschwund
  • Getrübte Sicht
  • Entstehung von grauem Star
  • Wasseransammlung
  • Akne und Neigung zu Hautblutungen (Ekchymosen)
  • Schwierigkeiten bei der Blutzuckerregulierung (Diabetes)

Mit Ausnahme der Gewichtszunahme treten diese Nebenwirkungen bei Kindern selten auf. Prednison® wird in abnehmender Dosierung (degressiv) in den ersten drei Monaten nach der Transplantation verabreicht und anschliessend abgesetzt. Es könnte jedoch aus zwei Gründen angezeigt sein, Prednison® erneut zu verordnen:

  •  Bei Abstossung.
  •  Wenn kurz nach dem Absetzen eine Infektion oder ein bedeutender Stress (Operation) eintritt, wird eine so genannte „Stressdosis“ empfohlen, um ein eventuelles vorübergehendes Defizit der Nebennieren auszugleichen.

 

MYCOPHENOLATMOFETIL (CELLCEPT®)

Nebenwirkungen von Cellcept® sind insbesondere:

  • Durchfall
  • Verdauungsstörungen, Erbrechen
  • Sinken des Spiegels der weissen Blutkörperchen

Dieses Medikament kann bei Bedarf verabreicht werden, um der Abstossung vorzubeugen. Es wurde gezeigt, dass Mycophenolatmofetil schwere angeborene Fehlbildungen verursachen kann. Es darf daher nicht von schwangeren Frauen genommen werden. Ebenso sollten sexuell aktive Männer und Frauen während und bis mindestens 90 Tage nach der Behandlung Verhütungsmassnahmen (wie Pille oder Präservativ) ergreifen.  Inhalieren oder direkter Kontakt mit dem Pulver, das in der Kapsel oder der Suspension enthalten ist, ist unbedingt zu vermeiden.

HINWEIS: Die meisten Patienten, die ein Transplantat erhalten haben, nehmen mindestens zwei Medikamente gegen Abstossungsreaktionen. Die am häufigsten verwendeten sind  Prograf® (Tacrolimus) und Prednison.