Die Kinderchirurgische Abteilung

 

In der kinderchirurgischen Abteilung ist es einfacher für Sie, sich im Zimmer bei Ihrem Kind aufzuhalten. Sobald Ihr Kind beginnt, aus dem Bett aufstehen, zu essen und sich zu betätigen, wird es sehr bald mit Ihnen spielen wollen. Für Sie beginnt dann ein Lernprozess im Hinblick auf seinen neuen Zustand (seine Bedürfnisse, seine Einschränkungen usw.) und seine Behandlungen, die es braucht. Es sind zahlreiche Medikamente einzunehmen, mit denen Sie sich nach und nach vertraut machen werden, mit ihren Namen, der Art und Weise ihrer Einnahme usw. Sie werden auch lernen, den Blutdruck zu kontrollieren, und werden die Werte und die Bedeutungen der verschiedenen Untersuchungen immer besser kennenlernen. Auf diese Weise werden Sie die Entwicklung der Transplantation sehr genau verfolgen. Nach und nach wird Ihr Kind in der Lage sein, das Zimmer zu verlassen, umherzugehen und wieder normale Beschäftigungen aufzunehmen.

Sie werden vielleicht auch eine Veränderung im Aussehen Ihres Kindes feststellen, das mit der Einnahme der Medikamente zusammenhängt. Sie können aber ganz beruhigt sein – das ist nur vorübergehend. Sein Gesicht und seine Wangen können durch die Wirkung des Kortisons dick und rot werden und es kann unter dem Einfluss von Prograf® mitunter auch zittern. Diese verschiedenen Nebenwirkungen sind von einem Kind zum anderen unterschiedlich, aber nach einigen Monaten, wenn man die Medikamente reduzieren kann, schwächen sich all diese Effekte ab und verschwinden nach und nach wieder.

 

IHR ALLTAG

Das Transplantationsteam kommt morgens gegen 8 Uhr in die Abteilung. In der Regel entscheiden die Ärzte zu diesem Zeitpunkt über die Untersuchungen und Behandlungen, die im Laufe des Tages durchzuführen sind. Für Sie ist es die erste Gelegenheit, dem Pfleger oder dem Arzt, die sich um Ihr Kind kümmern, Ihre Fragen zu stellen und Ihre Sorgen mitzuteilen. Die Arztvisite findet zwischen 10 und 11 Uhr statt, und wir möchten Sie bitten, um diese Zeit anwesend zu sein, weil es für Sie die beste Gelegenheit ist, Antworten auf all Ihre Fragen zu erhalten. Wir empfehlen Ihnen im Übrigen, sich Fragen zu notieren, die Ihnen im Laufe des Tages in den Sinn kommen, damit Sie sie uns bei der täglichen Visite stellen können.

Im Laufe des Tages finden weitere Aktivitäten statt. Die Pfleger kontrollieren mehrfach am Tag die Vitalzeichen. Ein Atemphysiotherapeut führt Behandlungen durch, die Ihr Kind ermutigen, tief zu atmen und zu husten, um einer Lungenentzündung vorzubeugen. Wenn Ihr Kind nicht aufstehen kann, muss es sich in seinem Bett jeweils nach einigen Stunden abwechselnd auf die eine und auf die andere Seite legen. Sitzen und Gehen beschleunigen die Genesung nach der Operation. Deshalb sollte sich Ihr Kind so bald wie möglich bewegen.

Sie können sehr schnell die grundlegende Versorgung Ihres Kindes übernehmen – es waschen, ihm zu Essen geben, ihm die Zähne putzen und bei Kleinkindern die Windeln wechseln. Um einer Infektion durch die Transplantation vorzubeugen, erinnern wir Sie daran, dass eine gute Hygiene bei der Pflege von entscheidender Bedeutung ist. Bis die Inzision vollständig vernarbt ist, müssen Sie jeden Tag einen Waschhandschuh verwenden, um Ihr Kind zu waschen. Später werden wir gemeinsam mit Ihnen beurteilen, ab wann Sie es baden oder duschen können. Zudem ist es wichtig, dass die Fingernägel Ihres Kindes kurz geschnitten werden, damit es seine Haut nicht verletzen und den Wundverband nicht abreissen kann.

Eine gute Ernährung fördert die Wundheilung und das Wachstum. Wenn die Leber korrekt arbeitet, kann Ihr Kind nach der Transplantation in der Regel normal essen. Besondere Zubereitungen sind daher normalerweise nicht erforderlich. Es ist ganz wichtig, nach jeder Mahlzeit und vor dem Einschlafen die Zähne Ihres Kindes zu putzen, um Karies vorzubeugen. Zudem wird der Pfleger die Urinabgabe Ihres Kindes messen, um die Ärzte beim Verfolgen seines Verhältnisses von Flüssigkeitszufuhr und Urinausscheidung zu unterstützen. Hierzu müssen die Windeln Ihres Kindes gewogen werden, und Kinder, die bereits sauber sind, müssen ihren Urin in ein spezielles Gefäss abgeben, damit er gemessen werden kann. Denken Sie also daran, den Pfleger zu fragen, ob die Windeln zum Wiegen aufbewahrt werden müssen.

 

HYGIENEMASSNAHMEN IM SPITAL

Im Spital liegt Ihr Kind allein im Zimmer. Wenn es das Zimmer verlässt, um einen Ort aufzusuchen, an dem auch viele andere Personen verkehren (Cafeteria, Ultraschallraum, Garten usw.), muss es eine Maske tragen. Die kann es in seinem Zimmer abnehmen.

Eltern können ihr Kind mit gefiltertem Leitungswasser und normaler Seife waschen.

Das Essen sollte nicht zu lange im Zimmer stehen, sondern möglichst bald verzehrt werden. Wenn Ihr Kind nicht sofort seine Mahlzeit ist, geben Sie sie an die Pflegehilfskraft oder an den Pfleger zurück. Die Mundpflege Ihres Kindes nach dem Essen muss zur Gewohnheit werden. Tauchen Sie auch Sauger der Trinkflasche und Schnuller eine Stunde lang in eine kalte Sterilisationslösung. Die Lösung wird einmal pro Tag von der Pflegehilfskraft ausgetauscht. Die Bettwäsche (Laken, Kopfkissenbezug, Gummiunterlagen usw.) wird einmal am Tag gewechselt und das komplette Bett einmal pro Woche.

Während des Spitalaufenthaltes Ihres Kindes müssen Sie ihm Wasser aus der Flasche geben, beispielsweise Henniez. Nach dem Öffnen können Sie die Flasche bei Zimmertemperatur 24 Stunden aufbewahren; danach muss sie entsorgt werden. IM SPITAL DÜRFEN SIE AUF KEINEN FALL LEITUNGSWASSER GEBEN! Wenn es wieder zu Hause ist, kann Ihr Kind auch wieder Leitungswasser trinken.

 

RÜCKKEHR ZU EINEM NORMALEN LEBEN IM SPITAL

Noch vor dem Verlassen des Spitals müssen Ihr Kind und Sie selbst damit beginnen, wieder eine normalere Lebensweise anzunehmen. Als die wichtigsten Mitglieder des Teams haben Sie, die Eltern, ein erhöhtes Mass an Verantwortung. Mehrere Teammitglieder werden Ihnen vermitteln, wie Sie einen grossen Teil der Pflege Ihres Kindes übernehmen.

Es gibt verschiedene Aufgaben, deren Erledigung Sie im Spital erlernen werden, und die Sie zum Teil auch weiter erledigen, wenn Sie wieder zu Hause sind. Dabei handelt es sich um Folgendes:

 

DETAILLIERTE LISTE DER LEBENSMITTEL UND GETRÄNKE

Hierbei geht es darum, die Mengen an Flüssigkeiten und Lebensmitteln, die Ihr Kind zu sich nimmt, zu erfassen. Die Menge der von Ihrem Kind aufgenommenen Flüssigkeit ist eine wichtige Information für die Ärzte, und anhand der Menge an Lebensmitteln, die es verzehrt, lässt sich überprüfen, ob es ausreichend Kalorien und Proteine aufnimmt.

 

VERABREICHEN VON MEDIKAMENTEN

Nach der Transplantation muss Ihr Kind etwa zehn Medikamente nehmen, von denen die meisten auch zu Hause weiter eingenommen werden müssen. Anfänglich verabreichen die Pfleger diese Medikamente. Diese Gelegenheit sollten Sie nutzen, um nach und nach den Namen jedes Medikaments und seine Funktion zu erfragen. Im Rahmen Ihrer Vorbereitung auf die Rückkehr nach Hause werden Ihnen die Bezugspfleger Ihres kranken oder transplantierten Kindes und die Pfleger der Station erläutern, wie die Medikamente zu verabreichen sind. Es liegt in Ihrer Verantwortung zu lernen, wozu jedes Medikament dient, wann es einzunehmen ist (Einnahmeplan), auf welche Weise es einzunehmen ist (allein, nüchtern usw.) und in welcher Menge (Dosierung). Wenn Sie das Spital verlassen, werden Sie in der Lage sein, alle Medikamente Ihres Kindes zur rechten Zeit und in der richtigen Dosierung zu verabreichen. Solange Sie noch im Spital sind, müssen Sie immer mit den Pflegern die Medikamente, die Sie Ihrem Kind geben, überprüfen.  Um die Verabreichung der Medikamente zu erlernen, ist es ganz wichtig, dass Sie die Tabelle verwenden, die Sie von den Pflegern erhalten, und dass Sie sie bei jeder Veränderung der Medikation anpassen. Die Dosierung kann sich unmittelbar nach der Transplantation häufig ändern. Das führt dazu, dass die Angaben, die auf bestimmten Medikamentenpackungen aufgeführt sind, nicht korrekt sind.  Um Sie und andere Personen, die Ihr Kind pflegen, dabei zu unterstützen, Fehler bei den Medikamenten zu vermeiden, ist es von grundlegender Bedeutung, dass Sie immer die aktuellste Version der Medikamententabelle bei sich haben und sie immer verwenden, wenn Sie Ihrem Kind die Medikamente verabreichen.

Ein Jahr nach der Transplantation wird Ihr Kind normalerweise nur noch 1 bis 3 Medikamente nehmen müssen, je nach seiner Entwicklung.

 

PFLEGE DER BAUCHWUNDE

Drei Wochen nach der Operation muss die Wunde in der Regel nicht mehr mit einem Verband versorgt werden. Wenn die Wunde gut verheilt, können Sie dann beginnen, Bepanthen™-Salbe aufzutragen, indem Sie sie entlang der Narbe einmassieren.

 

UNTERHALT DES ZENTRALEN VENENKATHETERS

Da häufige Blutentnahmen unvermeidbar sind und die Kinder Medikamente oft intravenös verabreicht bekommen müssen, kann etwa zehn Tage nach der Transplantation ein zentraler Venenkatheter gelegt werden. Diesen Katheter bezeichnet man allgemein als Broviac-Katheter (der aus der Haut austritt) oder als Port-A-Cath (PAC, der komplett unter der Haut liegt). Er wird in die grosse Halsvene gelegt und verläuft dann in einen Tunnel unter der Haut. Den Katheter wird Ihr Kind auch zu Hause noch behalten, und wir werden Ihnen erklären, wie man damit lebt. Die Pfleger, die zu Ihnen nach Hause kommen, werden Ihnen ebenfalls beim Umgang mit diesem Katheter helfen. Das Pflaster des Broviac-Katheters muss in der Regel alle 7 Tage gewechselt werden, das eines PAC alle 10 Tage. Wenn das Pflaster jedoch lose sitzt, feucht oder verschmutzt ist, muss es sofort gewechselt werden.

 

TEMPERATUR MESSEN

Im Spital wird regelmässig die Temperatur der Kinder gemessen. Bevor Ihr Kind das Spital verlässt, erklärt man Ihnen, wie man die Temperatur misst. Zu Hause müssen Sie nicht mehr jeden Tag die Temperatur messen. Tun Sie dies nur, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind krank ist oder eine erhöhte Temperatur hat. Bei transplantierten Kindern muss man die Temperatur unter dem Arm messen, d. h. in der Achselhöhle. Wenn Sie zu Hause kein Achselhöhlenthermometer haben (das direkt die Temperatur berechnet und dabei berücksichtigt, dass sie in der Achselhöhle gemessen wurde), müssen Sie sich eines anschaffen. Wenn Ihr Kind krank ist, müssen Sie immer erst die Temperatur messen, bevor Sie das Zentrum anrufen. Die Normaltemperatur eines Kindes liegt zwischen 36° und 37,5°.

 

BLUTDRUCK

Es ist möglich, dass der Blutdruck Ihres Kindes nach der Transplantation erhöht ist und dass es ein Medikament nehmen muss, um ihn zu senken. Ein erhöhter Blutdruck ist eine Nebenwirkung bestimmter Medikamente, die Ihr Kind wahrscheinlich nehmen muss, insbesondere Prograf® und Kortison. Sein Blutdruck normalisiert sich mit der Zeit wahrscheinlich wieder, und es muss voraussichtlich keine blutdrucksenkenden Medikamente mehr nehmen. Wenn der Blutdruck Ihres Kindes im Spital erhöht ist, wird dort mit einer Behandlung gegen Bluthochdruck begonnen. Solange diese Behandlung andauert, ist es wichtig, mindestens zweimal pro Tag den Blutdruck zu kontrollieren, bevor das blutdrucksenkende Mittel verabreicht wird. Wenn Sie wieder zu Hause sind, müssen Sie den Blutdruck jeden Tag notieren und diese Aufzeichnungen mit ins Spital bringen, damit das Transplantationsteam die Werte prüfen kann. Wir werden Ihnen erläutern, wie Sie sich im Falle von zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck zu verhalten haben.

Zusammenfassung:

  • Kontrollieren Sie immer den Blutdruck Ihres Kindes, bevor Sie ihm das Mittel gegen Bluthochdruck verabreichen. Notieren Sie immer, wenn Sie den Blutdruck messen, den Tag, die Uhrzeit und den angezeigten Wert sowie die Zeit, zu der Ihr Kind dieses Medikament genommen hat, und in welcher Dosierung. Halten Sie sich an die Anweisungen, die Sie von Ihrem Bezugspfleger bezüglich der Verabreichung des Medikaments gegen Bluthochdruck erhalten haben. Erfassen Sie die Blutdruckwerte in einem Heft.
  • Bringen Sie diese Aufzeichnungen immer mit ins Spital oder zu Ihrem Arzt.

 

SPORTLICHE AKTIVITÄTEN

Kinder beginnen, sich zu bewegen, sobald sie sich in Form fühlen. Drei Monate nach der Transplantation kann Ihr Kind vorsichtig damit beginnen, sanfte, nicht wettbewerbsorientierte sportliche Aktivitäten wie Velofahren, Gymnastik, Tanz oder Schwimmen auszuüben.