Der Tag der Transplantation

 

VORBEREITUNG IM OPERATIONSSAAL

Sie können bis zum Eingang zum Operationstrakt bei Ihrem Kind bleiben. Der Anästhesist trifft sich mit Ihnen am Eingang des Operationstraktes und begleitet dann Ihr Kind in den Operationssaal. Ihr Kind wird aus dem Bett auf eine Trage und dann auf den Operationstisch umgelegt. Ihm wird eine Maske auf das Gesicht gelegt, um es mit zusätzlichem Sauerstoff zum Atmen zu versorgen. Der Anästhesist verabreicht intravenös das Medikament, das Ihr Kind einschlafen lässt. Wenn Ihr Kind eingeschlafen ist, wird ein Rohr in seinen Rachen geführt, um während der Operation die Atmung zu kontrollieren. Es wird eine Blasensonde gelegt, um den Urin abzuführen. Über eine Nasensonde, die in den Magen eingeführt wird, werden die Magensäfte abgeführt. Ein zentraler Venenkatheter wird in eine grosse Vene von Hals oder Schulter gelegt, um es dem Anästhesisten zu erleichtern, während der Transplantation Medikamente und Flüssigkeiten zu verabreichen. Ein kleiner arterieller Katheter wird in eine Arterie des Handgelenks gelegt, um den Blutdruck zu kontrollieren.  Weitere Venenkatheter werden auch in Venen von Armen oder Füssen gelegt, so dass Ihrem Kind während der Operation Blut oder Flüssigkeiten zugeführt werden können.

 

DER CHIRURGISCHE EINGRIFF

Die Operation Ihres Kindes beginnt mit der Explantation seiner kranken Leber, wenn das Entnahmeteam mit einem einwandfreien Transplantat in den Operationstrakt zurückkehrt. Die neue Leber wird eingesetzt, indem die Blutgefässe der Leber des Spenders mit denen des Empfängers vernäht werden (vaskuläre Anastomosen). Der Chirurg vernäht anschliessend den Gallengang der neuen Leber mit einer Schlinge des Darms, um das Abfliessen der Gallenflüssigkeit zu ermöglichen (biliodigestive Anastomose). Die vorgenommenen vaskulären Anastomosen hängen von der Art des Transplantats ab (ganze Leber oder Teil einer Leber).

Zum Abschluss der Operation wird die Haut an der Inzision mithilfe von unsichtbaren Fäden wieder verschlossen und mit einem transparentem Verband (Tegaderm™) abgedeckt, durch den die Wunde ständig überwacht werden kann. Dieser Verband wird normalerweise 3 Wochen lang nicht gewechselt und erst nach dieser Zeit entfernt.  Über eine Drainage, die auf der rechten Seite aus dem Körper Ihres Kindes herausgeführt wird, werden die postoperativen Sekretionen aus der Bauchhöhle abgeführt. Die Wunde Ihres Kindes wird gross sein und die Form eines Mercedes-Sterns haben. Ein Teil der Narbe wird sich oberhalb des Bauchnabels über die Breite des Bauches erstrecken, der andere Teil zieht sich von der Bauchmitte Richtung Brustbein.

Während und am Ende der Operation werden Echographien gemacht, um den korrekten Blutfluss in der Leber zu überprüfen. Ihr Kind wird dann direkt vom Operationstrakt auf die Kinderintensivstation gebracht. Die Schwestern des Operationssaals informieren Sie und Ihre Familie während des gesamten Eingriffs etwa jede Vierstunden über den Verlauf der Operation. Der leitende Chirurg der Transplantation kommt nach der Operation zu Ihnen, um mit Ihnen zu sprechen, sobald Ihr Kind auf der Kinderinstensivstation angekommen ist.
 

DIE KINDERINTENSIVSTATION

Unmittelbar nach der Transplantation benötigen die Intensivpfleger noch etwa eine Stunde oder etwas länger um Blutanalysen zu machen und bestimmte Untersuchungen abzuschliessen. Sie können Ihr Kind erst sehen, wenn alle Untersuchungen abgeschlossen sind.

Auf der Intensivstation liegt Ihr Kind normalerweise „allein“ auf einem Zimmer, und es ist ständig ein nur für Ihr Kind verantwortlicher Pfleger anwesend, der rund um die Uhr zur Verfügung steht. Die Besuchszeit für Eltern ist nicht eingeschränkt. Wenn Sie es wünschen, können Sie Tag und Nacht an der Seite Ihres Kindes verbringen. Wir empfehlen Ihnen jedoch, sich auch Zeit für sich selbst zu nehmen, sich auszuruhen, etwas zu essen und zu trinken und auch im Freien etwas Luft zu schnappen. Andere Besuche als die der Eltern sind stark eingeschränkt. Bei Besuchen von Geschwistern oder Grosseltern zum Beispiel bitten wir Sie, sich zuvor mit Ihrem Pfleger in Verbindung zu setzen. In jedem Fall sind jeweils höchstens zwei Besucher gleichzeitig zulässig. Besucher müssen sich am Empfang der Intensivstation anmelden, bevor sie die Station betreten, und müssen die grundlegenden Hygieneregeln einhalten: Desinfektion der Hände beim Betreten und Verlassen des Zimmers, keine Überwachungsausrüstung berühren. Ihr Kind darf keinen kranken Besucher empfangen. Es ist nicht erlaubt, im Zimmer zu essen oder zu trinken.

Denken Sie daran, dass Ihr Kind, solange es auf der Kinderintensivstation liegt, sehr viel Ruhe braucht und dass es alle Zeit hat, Familie und Freunde zu treffen, wenn es das Spital verlassen hat. Gelegentlich ist es hilfreich, ein Familienmitglied zu bitten, alle anderen über die Entwicklung der Situation auf dem Laufenden zu halten, so dass Sie sich ausschliesslich Ihrem Kind widmen können. Wenn es Ihnen schwer fallen sollte, die Anzahl der Besucher, die Ihr Kind sehen wollen, unter Kontrolle zu halten, bitten Sie den Pfleger um Unterstützung.

Unmittelbar nach der Transplantation wird Ihr Kind in einem künstlichen Schlaf gehalten, unter künstlicher Beatmung (mit einem Respirator), damit es ruhig und schmerzfrei ist. Dieser künstliche Schlaf kann 24 Stunden und länger dauern, wenn der Zustand Ihres Kindes es erfordert. Ihr Kind ist zur Überwachung an mehrere Geräte, so genannte „Monitoring“-Geräte angeschlossen, die seine Vitalzeichen messen.  Der Pfleger der Kinderintensivstation kontrolliert regelmässig diese Vitalzeichen, nämlich die Herzfrequenz Ihres Kindes, den Atemrhythmus, den Blutdruck und seine Temperatur. Diese werden auch auf einem an der Wand angebrachten Bildschirm angezeigt. Ein an einem Finger oder an einem Zeh angebrachter Sensor misst den Sauerstoffgehalt des Blutes Ihres Kindes (Sauerstoffsättigungsmessung). Herzfrequenz und -rhythmus werden kontinuierlich durch Sensoren überwacht, die auf der Brust oder auf dem Rücken Ihres Kindes angebracht sind.

Mehre Schläuche, an die Ihr Kind auf der Intensivstation angeschlossen ist, wurden im Operationssaal gelegt. Der Endotrachealtubus oder Atemschlauch, der durch seine Nase eingeführt wurde, ist mit einem Pflaster auf seiner Wange befestigt. Dieser Schlauch ist mit dem Beatmungsgerät verbunden und unterstützt Ihr Kind beim Atmen, bis es vollständig aufgewacht ist. Er ermöglicht auch, zusätzlichen Sauerstoff und Feuchtigkeit zuzuführen, um ihm zu helfen, ganz allein zu atmen.

Die an Armen, Beinen oder am Hals angebrachten Venenzugänge dienen dazu, Ihrem Kind Medikamente zu verabreichen oder es mit Flüssigkeit oder Nahrung zu versorgen.  Zudem werden sie zum Entnehmen von Blut genutzt. Die Nasensonde verläuft durch die Nase und führt bis in den Magen, um die von ihm produzierten Verdauungssäfte abzusaugen. Die Nasensonde zur Beatmung wird in der Regel 2 bis 3 Tage nach der Operation entfernt. Wenn diese Sonde entfernt wurde, kann Ihr Kind beginnen zu trinken. Wenn es etwa einen Tag lang Flüssigkeiten verträgt, kann es beginnen, flüssige Nahrung aufzunehmen oder feste (wenn es vor der Transplantation bereits feste Nahrung aufgenommen hat).  Die intravenöse Ernährung wird eingestellt, sobald Ihr Kind ausreichend mit dem Mund isst, um sich allein angemessen zu ernähren. Es kann gelegentlich vorkommen, dass Ihr Kind nicht sofort in der Lage ist, mit dem Mund zu essen. Dann hat es eine kleine Nasensonde, mit der es anfänglich ernährt wird.

In der Nähe der Narbe liegt ein Drain, der auf der rechten Seite aus dem Bauch austritt und an dessen Ende ein Beutel angeschlossen ist. Dieser Drain dient in der Regel dazu, Flüssigkeit, die zunächst rot und dann gelblich ist, aus dem Bauch abzuleiten. Eine Blasensonde wurde angelegt, um Urin abzuleiten. Sie wird einige Tage nach der Transplantation entfernt.

Die Pfleger der Kinderintensivstation und die Ärzte dieser Station arbeiten eng mit dem Lebertransplantationsteam zusammen, um Ihr Kind zu versorgen. Sie treffen sich ein oder zwei Mal pro Tag, um den Zustand Ihres Kindes zu besprechen.

Die Zeit auf der Intensivstation schwankt zwischen einigen Tagen bis vier Wochen. Es können zahlreiche Komplikationen und Probleme auftreten, und es werden häufig Kontrollen und Untersuchungen durchgeführt.

Nach diesem Aufenthalt wird Ihr Kind in die kinderchirurgische Abteilung verlegt, die Sie und Ihr Kind bereits kennen.